Es gibt eine Zahl, die im Hintergrund darüber entscheidet, wie viel Ware du überhaupt bei Amazon einlagern darfst – und vielen Verkäufern ist sie kaum bewusst, bis es Probleme gibt: der IPI-Score. Fällt er unter eine bestimmte Schwelle, schrumpfen deine Lagerlimits, deine Gebühren können steigen und deine Verfügbarkeit leidet – was wiederum Rankings kostet, die sich nur schwer zurückholen lassen. Dieser Beitrag erklärt, was der IPI-Score misst und wie du ihn gezielt verbesserst.

Was der IPI-Score ist

IPI steht für Inventory Performance Index. Es ist ein Wert auf einer Skala (üblicherweise 0 bis 1000), den Amazon jedem FBA-Verkäufer zuweist. Er bildet ab, wie effizient du deinen Lagerplatz im Verhältnis zu deinen Verkäufen nutzt. Vereinfacht: Amazon will, dass sein Lager mit Ware gefüllt ist, die sich auch verkauft – nicht mit Ladenhütern. Der IPI ist Amazons Urteil darüber, wie gut du genau das hinbekommst.

Liegst du über der jeweils geltenden Schwelle, hast du in der Regel unbegrenzte (oder großzügige) Lagerkapazität. Fällst du darunter, drohen Restriktionen.

Die vier Faktoren, die den Score treiben

Der IPI setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Diese vier wiegen am schwersten:

  1. Überbestand (Excess Inventory): Zu viel Ware im Verhältnis zur Verkaufsgeschwindigkeit drückt den Score. Kapital, das in liegender Ware gebunden ist, ist aus Amazons Sicht ineffizient genutzter Platz.
  2. Sell-Through-Rate (Abverkaufsrate): Wie viele Einheiten du im Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerbestand über einen Zeitraum verkaufst. Hohe Drehung = guter Score.
  3. Hängende Bestände (Stranded Inventory): Ware, die im Lager liegt, aber wegen eines Listing-Problems nicht verkäuflich ist (z. B. deaktiviertes Angebot). Solche Bestände ziehen den Score nach unten.
  4. Verfügbarkeit (In-Stock Rate): Wie zuverlässig deine gut laufenden Produkte verfügbar sind. Häufige Ausverkäufe schaden – sowohl dem Umsatz als auch dem Score.

Warum der Score fällt

Typische Ursachen sind unausgewogene Bestellmengen (zu viel auf einmal eingekauft), saisonale Ware, die nach der Saison liegen bleibt, vergessene hängende Bestände durch Listing-Fehler und Produkte, die schlicht nicht laufen, aber Platz belegen. Oft ist es eine Kombination: Ein paar langsame ASINs mit hohem Bestand und ein, zwei stranded Listings reichen, um den Score spürbar zu drücken.

So verbesserst du den IPI-Score

Der Score reagiert nicht über Nacht, lässt sich aber systematisch heben:

  • Überbestand abbauen: Senke gezielt die Bestände von langsam drehenden Produkten – über Preisaktionen, Bündelung oder Abverkauf. Plane künftige Nachschübe kleiner und häufiger statt selten und groß.
  • Hängende Bestände sofort beheben: Prüfe regelmäßig den Bericht zu stranded inventory und reaktiviere oder entferne betroffene Einheiten. Das wirkt am schnellsten, weil es oft mit wenigen Klicks erledigt ist.
  • Verfügbarkeit sichern: Stelle für deine Topseller eine zuverlässige Nachschubplanung auf, damit sie nicht ausverkaufen.
  • Abverkauf steigern: Verbessere Listings und Werbung deiner Bestandsprodukte, damit sich vorhandene Ware schneller dreht.
  • Totes Inventar entfernen: Was sich dauerhaft nicht verkauft, solltest du liquidieren oder zurückholen, statt weiter Lagerkosten und IPI-Abzug zu zahlen.

Geduld und Routine

Der IPI ist kein Wert, den man einmal repariert. Er ist eine fortlaufende Disziplin: regelmäßig Bestände prüfen, hängende Einheiten beheben, Nachschub maßvoll planen. Mache daraus eine wöchentliche oder zweiwöchentliche Routine, dann gerätst du gar nicht erst in die Nähe der kritischen Schwelle.

Fazit

Der IPI-Score ist mehr als eine abstrakte Kennzahl – er entscheidet über deinen Zugang zu Amazons Lager und damit über deine Wachstumsfähigkeit. Wer Überbestand kontrolliert, hängende Bestände schnell behebt, Verfügbarkeit sichert und die Abverkaufsrate hochhält, hält den Score stabil im grünen Bereich. Das ist weniger Aufwand als das nachträgliche Reparieren eingeschränkter Lagerlimits – und schützt nebenbei deine Rankings und deinen Cashflow.