ROAS ist eine der griffigsten Kennzahlen im Performance-Marketing – und zugleich eine, die oft falsch interpretiert wird. Sie beantwortet eine einfache Frage: Wie viel Umsatz bekomme ich für jeden Euro, den ich in Werbung stecke? Dieser Beitrag erklärt die Berechnung, den Unterschied zu ACoS und vor allem, wie du ROAS nutzt, um klügere Budgetentscheidungen zu treffen.
Was ROAS bedeutet
ROAS steht für Return on Advertising Spend – also den Ertrag je eingesetztem Werbe-Euro. Die Formel:
ROAS = werbeattribuierter Umsatz ÷ Werbeausgaben
Beispiel: Du gibst 250 € für eine Kampagne aus und erzielst damit 1.250 € Umsatz. Dein ROAS beträgt 1.250 ÷ 250 = 5. Das heißt: Jeder investierte Euro hat 5 € Umsatz gebracht. Oft wird ROAS auch als Verhältnis (5:1) oder in Prozent (500 %) angegeben.
ROAS und ACoS: dieselbe Münze, zwei Seiten
ROAS und ACoS beschreiben exakt dieselbe Beziehung, nur invers. ACoS drückt die Werbekosten als Prozentsatz des Umsatzes aus, ROAS den Umsatz als Vielfaches der Kosten. Du kannst beide ineinander umrechnen:
- ROAS = 1 ÷ ACoS (als Dezimalzahl)
- Ein ACoS von 20 % entspricht einem ROAS von 5.
- Ein ACoS von 25 % entspricht einem ROAS von 4.
- Ein ACoS von 50 % entspricht einem ROAS von 2.
Welche Kennzahl du bevorzugst, ist letztlich Gewohnheit. Wer aus dem klassischen Online-Marketing kommt, denkt oft in ROAS; wer mit Amazon groß geworden ist, in ACoS.
Der häufigste Fehler: ROAS ohne Marge betrachten
Ein hoher ROAS klingt immer gut – aber ohne deine Marge ist die Zahl wertlos. Entscheidend ist der Break-even-ROAS: der Punkt, an dem deine Werbung kostendeckend ist. Er ergibt sich aus deiner Marge.
Rechenbeispiel: Dein Produkt hat nach allen Kosten eine Marge von 25 %. Dein Break-even-ROAS liegt dann bei 1 ÷ 0,25 = 4. Ein ROAS von 4 bedeutet also: ±0. Erst ab einem ROAS über 4 verdienst du an beworbenen Verkäufen Geld, darunter zahlst du drauf.
Das erklärt, warum „ein ROAS von 3 ist schlecht" nicht stimmen muss: Bei einer Marge von 40 % (Break-even-ROAS 2,5) wäre ein ROAS von 3 profitabel.
ROAS sinnvoll als Steuerungsgröße einsetzen
ROAS entfaltet seinen Nutzen, wenn du ihn differenziert betrachtest statt als einen Gesamtwert:
- Pro Kampagnentyp: Marken-Keywords liefern fast immer hohen ROAS, weil die Kaufabsicht groß ist. Das verleitet dazu, Budget nur dorthin zu schieben – obwohl diese Käufer dich oft ohnehin gefunden hätten.
- Pro Funnel-Stufe: Discovery-Kampagnen (breite Keywords, neue Zielgruppen) haben naturgemäß niedrigeren ROAS als Conversion-Kampagnen. Sie an demselben Zielwert zu messen, wäre ein Fehler.
- Über Zeit: Ein einzelner Tag sagt wenig. Beurteile ROAS über ein bis zwei Wochen, um Schwankungen herauszurechnen.
Grenzen der Kennzahl
Wie ACoS erfasst ROAS nur werbeattribuierten Umsatz – nicht den organischen Effekt deiner Anzeigen. Eine Kampagne mit niedrigem ROAS kann trotzdem wertvoll sein, wenn sie dein Ranking pusht und organische Verkäufe nach sich zieht. Deshalb gilt auch hier: Ergänze ROAS um eine Gesamtsicht (etwa TACoS), bevor du eine vermeintlich „schwache" Kampagne abschaltest.
Praktische Schritte
Berechne zuerst deinen Break-even-ROAS pro Produkt – das ist deine Nulllinie. Lege darüber realistische Zielwerte je nach Kampagnenzweck (höher für Conversion, niedriger akzeptabel für Discovery). Vergleiche Kampagnen nur innerhalb derselben Funnel-Stufe miteinander. Und prüfe vor jeder Budgetkürzung, ob die betroffene Kampagne organischen Umsatz mitträgt.
Fazit
ROAS ist eine intuitive, starke Kennzahl – aber nur mit Marge und Kontext. Der Break-even-ROAS aus deiner Marge ist der Maßstab, an dem sich alles misst. Wer ROAS differenziert nach Kampagnentyp und Funnel-Stufe liest und die organische Wirkung nicht vergisst, steuert sein Werbebudget deutlich präziser als jemand, der nur einen pauschalen Zielwert verfolgt.
